Eine Stromstation wird zur blühenden Ökozelle

06.10.2017

Eine Trafostation als blühendes Biotop: „Wie attraktiv ein technisches Bauwerk für den Naturschutz aktiviert werden kann“, zeigt der NABU-Aktivist Andreas Förster gerne an einem Energieknoten der Stadtwerke Unna in Bill-merich. Auf rund 100 Quadratmeter rund um die Trafohäuschen am südlichen Dorfende wächst eine Blütenpracht, wie sie sonst kaum mehr am Haarstrang zu finden ist. „Das ist hier eine Arche für die Natur, die früher hier heimisch war“, erklärt der Umweltschützer. Skabiosenflockenblume, Großer Odermennig, Oregano, Johanniskraut, Zottiger Klappertopf, Margeriten, Nes-selblättrige Glockenblume oder auch Dornige Hauhechel bilden einen bunten Saumbiotop und sind eine wichtige Nektarquelle für Tiere, die auch längst aus der Feldflur vertrieben wurden. „Kleiner Fuchs“, „Admiral“, „Brauner Waldvogel“ und viele weitere Schmetterlingsarten tummeln sich vor der Station, Hummeln und Bienen summen über die „optimale Nektartankstelle“, sagt Andreas Förster. Für die Pflege der Station „Rosengarten“ und benachbarter Feldraine spendeten die Stadtwerke Unna eine Motorsense. Geschäftsführer Jürgen Schäpermeier und der technische Prokurist Dietmar Biermann übergaben das Gerät am 30. September an die Naturschützer.



Das Biotop aus zweiter Hand feiert 31. Geburtstag. Ende der 80ger Jahre überzeugte der Billmericher Umweltschützer die VEW und dann die Stadtwerke Unna von dem Projekt: Das Gelände der Stromstation, das zum Schutz der unterirdischen Leitungen von Bäumen wie Bebauung freigehalten werden muss, könnte doch ein Naturschutz-Bereich werden. Als wilder Parkplatz wurde es genutzt, festgefahren war der Boden, häufig sogar zugemüllt. Die Stadtwerke und die VEW gaben grünes Licht: Das Gelände wurde umgepflügt und gefräst. Mit heimischen Pflanzen, die er auf dem Haarstrang zwischen Bausenhagen und Opherdicke sammelte oder im eigenen Garten zog, säte Förster die Fläche ein. Ursprünglich sollten hier auf einem kleinen Acker zur Demonstration alte Getreidesorten wachsen, die blühenden Pflan-zen nur der bunte Feldrand sein.

„Das Ackerprojekt musste später wegen des hohen Pflegeaufwands aufgegeben werden“, sagt Andreas Förster, der die Woche über beruflich im Rheinland aktiv ist. So hat sich der Bereich jetzt zur bunten Arche für Pflan-zen entwickelt, die einst im Haarstrang-Bereich heimisch waren, inzwischen aber von intensiver Landwirtschaft, naturunverträglichen Pflegemaßnahmen und Gartenabfällen vertrieben sind. „Wo gibt es noch blühende Wegränder?“, fragt Förster. Und antwortet: „Kaum noch. Viele Standorte, wo ich die Samen für das Stationsgelände gesammelt habe, sind jetzt verschwunden.“ Die hohe Nährstoffbelastung der Feldraine und Wegränder lässt gerade mal noch Gräser oder Stickstoff-Fresser wie die Brennnessel sprießen. Damit entfallen auch die Nektarquellen und die Heimat vieler Tierarten. Im Billmericher „Rosengarten“ (so nennt sich die Station nach der alten Flurbezeichnung) kann der eigentliche Artenreichtum jetzt bewundert werden: „Rund sechzig verschiedene Pflanzenarten“ hat Förster dort registriert, in der offenen Feldflur findet man gerade noch „15 bis 20“. Die Naturzelle ist auch pflegeleicht: Nur der Weg zur Station wird regelmäßig freigeschnitten, die restliche Fläche bekommt im Herbst einen Pflegeschnitt. Die Mahd fährt ein befreundeter Schäfer ab: „Die Tiere sind richtig wild auf solche Kost.“ Die bunte Vielfalt an der Ecke Altendorfer Straße/Kluse spart auch Kosten: Im Gegensatz zu anderen Stationen wird sie von den Nacht- und Nebelkippern verschont.

Über den Erfolg des Projektes freuen sich die Stadtwerke: „Wo das sinnvoll ist und eine fachliche Pflege gesichert ist, stellen wir gerne solche Stationen für Umweltprojekte zur Verfügung“, erklärt Dietmar Biermann, technischer Prokurist des kommunalen Energieunternehmens. An manchen Stationen haben die Stadtwerke schon entsprechende Vorhaben mit Nachbarn gestartet, an weiteren mit einer Dachbegrünung für Augenzierden gesorgt. Im Unnaer Osten übergaben sie zudem eine ehemalige Turmstation an Umweltschützer als Fledermaus-Domizil. Möglich wären noch weitere Pilotmaßnahmen, wenn sich Partner finden, sagt auch Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Schäpermeier. Rund 400 Trafostationen und 100 Gasstationen unterhält das Unternehmen im gesamten Stadtgebiet. Andreas Förster und seine Mitstreiter freuen sich zudem über Menschen, die bei der Pflege des Rosengartens und benachbarter Ökozellen helfen: Tel. 0173-5135114 bzw. afoermail@t-online.de. Infos gibt es zudem unter www.nabu-unna.de.

Über die Umweltaktionen der Unnaer Stadtwerke informiert auch die jährliche Umwelterklärung, die auf der Homepage zum Download zur Verfügung steht.

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